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Da schon lange eine Reise nach Skandinavien angedacht war, buchten Arndt und ich dieses Jahr den Törn Bremerhaven – Göteborg. Schon am Bahnhof wurden wir von Daniela angesprochen, ob wir auf dem Weg zu Alex sind. Mit dem Bus fuhren wir gemeinsam zum neuen Hafen, wo die Alex liegen sollte. Tags zuvor ging die Sail 2010 zuende, sodass die wir die Alex in bester Gesellschaft zwischen anderen Grossseglern wie der Kruzenshtern, oder Koggen fanden.






Gegen 14:00 fand die Begrüssung durch Kapitän Volker Klose statt, anschliessend wurden wir in die Schiffs- und Riggsicherheit eingewiesen. Am Ende des Tags stand eine freiwillige Riggbegehung.







Den Hafen konnten wir entgegen unserer Planung nicht um 17:00 verlassen, da sich die lebensnotwendige Bierlieferung verzögerte.

 

So kam es, dass wir erst am nächsten Morgen um 4:30 ablegten, und gegen 6:00 mit ablaufenden Wasser und einem schönen Sonnenaufgang die Schleuse passierten.






Hiernach folgten einige Stunden Maschinenfahrt, und beginnende Seekrankheit bei vielen Mitseglern. Nachmittags sahen wir Helgoland an Steuerbord.

 

Am Mittwoch waren wir schon auf Höhe der Insel Sylt, hiervon bekam ich jedoch wenig mit, da ich zu der Zeit viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt war. Erst nach einer Tablette Stugeron vom Charly ging es mir sehr schnell besser – erstaunlich wie gut das Zeug wirkt.

 

Am nächsten Mittag waren wir bereits auf Höhe des Skagerrak, während der Mittagswache setzten wir Vollzeug. Nachts hingegen war es bitterkalt und der Wind bliess aus der falschen Richtung, sodass wir nur mit Maschine fahren konnten und entsprechend wenig zu tun hatten. Der Himmel zeigte sich im Verlauf der Nacht glasklar und die Sterne standen wie angepinselt da, ohne das geringste Flackern durch Luftunruhe.

 

Freitags liefen wir gegen 10:30 nach Kristiansand (Norwegen) ein. Hier lockte ein kurzer Landgang und viel Sonne, sodass das Schiff nach Mittag wie leergefegt war - wer nicht an Land war lag an Deck in der warmen Sonne. Hätte Kristiansand nicht soviele Industriebauten in Hafennähe zu bieten, könnte man es glatt als wunderschön bezeichnen.










Gegen 18:00 liefen wir mit „All Hands on Deck“ wieder aus, anschliessend wurden mit allen 3 Wachen beide Toppen gleichzeitig rundgebrasst – ein Manöver das weniger auf normalen Törns, sondern eher auf Regatten und zum Mann-über-Bord-Manöver gefahren wird. Die Küste mit den vorgelagerten kleinen Inseln, die sich uns nach Auslaufen zeigten, weckten zumindest bei mir die Lust nach einem weiteren Skandinavientörn. Dieser Eindruck hielt in den nächsten Tagen an. Als wir nach dem Manöver unter Deck gingen begann es zu regnen, übrigens der einzige Regen den ich auf diesem Törn mitbekam. Gleichzeitig teilte man uns mit, dass wir aufgrund des Windes nun 60sm gen Osten unter Maschine fahren würden, um dann nochmal Segeln zu können.








Als wir zur Nacht an Deck kamen, hiess es recht bald „wir setzen gleich mal Segel“. Am Ende dieser anstrengenden Nacht liefen wir fast unter Vollzeug mit 7-8kn bei gefühlten 30° Krängung – ein Erlebnis, das keiner von uns so schnell vergessen wird. Nach Wachablösung ging es wie jede Nacht unter Deck in die Messe zur Toastparty. Hier wurden bei Toast und Aufschnitt Pappkühe gefiert, die Lose aus der Back geholt, falscher Senf gegessen und Mugs geleert.



Am nächsten Morgen wurden wir gegen 10:30 unsanft geweckt: Allgemeines Wecken zum Mann-über-Bord-Manöver und anschliessender Fotosafari, also der Schlauchbootfahrt um die Alex. Das Mann-über-Bord-Manöver besteht neben dem Beobachten des Verunglückten aus dem Rundbrassen eines Topps, dem sog. Kreuzbrassen um das Schiff unter Segeln möglichst schnell anzuhalten. Anschliessend wir ein Bereitschaftsboot zu Wasser gelassen um den über Bord gegangenen einzusammeln. Innerhalb 15min war unser Dummy wieder an Bord, sodass sich bald Freiwillige in der Steuerbord-Hamstertasche versammelten, um mit der Weser einmal um die Alex zu fahren und Fotos zu schiessen.









Die anschliessende Wache war recht unspektakulär: Wegen Flaute machten wir trotz gesetzter Segel kaum Fahrt, sondern genossen den sonnigen Nachmittag an Deck, z.T. singend mit Kapitän Volker. Gegen Abend gab es einen wunderschönen und zugleich völlig surrealen Sonnenuntergang, unbeschreiblich und sicherlich einmalig. In der Nacht wurden die letzten noch stehenden Segel geborgen, und anschliessend Knoten und Wende bzw. Halse kennengelernt.















Am Sonntag wurden wir gegen 10:30 durch den fallenden Anker geweckt, der Nachmittag war bis auf 2-stündige Ankerwachen und Leichtmatrosenprüfungen frei. Lediglich die Backschaft hatte das Captains Dinner vorzubereiten, welches gegen 19:00 mit Verleihung der Urkunden an die frisch gebackenen Leichtis begann.






In gewohnter Tradition wurden wir von unseren Toppsmatrosen bedient, die sich anschliessend mit Unterstützung des restlichen Stamms an den Abwasch in der Pantry machten, sodass wir Trainees weiterfeiern konnten. Zuvor liessen wir wachweise unserem Toppsi eine Erinnerung zukommen, die 0-4-Wache textete hierzu am Vortag ein Lied.



Auf der Alex, der Alex Humboldt,
der Toppsi schreit tonight.

 

Auf der Alex, der Alex Humboldt,
der Toppsi schreit tonight.

 

Klar bei Vortopp und an die Schoten,
das ist was er will.

 

Doch wir irren, ja wir irren,
ziellos über Deck.

 

Toppsi Claasi, Toppsi Claasi, Toppsi Claasi, Toppsi Claasi, ...
Ohhh Claaaaaaaaaaaaaaaas

 

Die Matrosen haben Backschaft, 
der Leichti keinen Plan.

 

Toppsi Claasi, Toppsi Claasi, Toppsi Claasi, Toppsi Claasi, ...
Ohhh Claaaaaaaaaaaaaaaas

 

Hat das Reissen, das viele Reissen,
am Ende doch Erfolg,

 

Steht das Segel mit viel Loose,
so wie Toppsi's grüne Hose.

 

Toppsi Claasi, Toppsi Claasi, Toppsi Claasi, Toppsi Claasi, ...
Ohhh Claaaaaaaaaaaaaaaas

 

Toppsi Claasi, Toppsi Claasi, Toppsi Claasi, Toppsi Claasi, ...
Ohhh Claaaaaaaaaaaaaaaas

 

Einmal nur mit Profis Segeln,
wünscht er sich so sehr.

 

Auf der Alex, der Alex Humboldt,
der Toppsi cries tonight.

 

Toppsi Claasi, Toppsi Claasi, Toppsi Claasi, Toppsi Claasi, ...
Ohhh Claaaaaaaaaaaaaaaas

 

Nach der Wache, der schweren Wache,
muss der Toaster glühn.

 

Nach dem Nesquick und der Pappkuh,
der Toppsi goes to ruh.

 

Toppsi Claasi, Toppsi Claasi, Toppsi Claasi, Toppsi Claasi, ...
Ohhh Claaaaaaaaaaaaaaaas

 

Toppsi Claasi, Toppsi Claasi, Toppsi Claasi, Toppsi Claasi, ...
Ohhh Claaaaaaaaaaaaaaaas

 

Hush my Wache, 0-4-er Wache,
the Toppsi sleeps tonigt.

 

Hush my Wache, 0-4-er Wache,
the Toppsi sleeps tonigt.

 

Toppsi Claasi, Toppsi Claasi, Toppsi Claasi, Toppsi Claasi, ...
Ohhh Claaaaaaaaaaaaaaaas

 

Toppsi Claasi, Toppsi Claasi, Toppsi Claasi, Toppsi Claasi, ...
Ohhh Claaaaaaaaaaaaaaaas



Der Abend klang allmählich in viel Bier und noch mehr Blödsinn aus, und so wurde kurzerhand erprobt, wieviel Mann in die Pantry passen und darin gereinigt werden können, und wie man zum Rauchen hinauskommt, wenn man in der hintersten Ecke steht.








Am nächsten Morgen wurde bereits um 7:30 geweckt, da Vormittags Reinschiff anstand, und wir gegen 11:00 am Stenpiren anlegen wollten. Unter Anleitung unseres Steuermanns Harald, dem Kapitän des nächsten Törns, gelang dies vorbildlich. Nach dem Mittag hielt Kapitän Volker noch eine kurze Abschiedsrede und gab die Gangway frei, sodass wir Göteborg erkunden konnten.







Am nächsten Tag wurden fleissig Taschen gepackt, und nach und nach verliessen wir das Schiff, während gleichzeitig Mitsegler für Mitsegler die neue Crew eintraf.



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